Rede mit

3 Maßnahmen für eine bessere Gesundheit auf dem Prüfstand

Prof. Heike Bischoff-Ferrari Prof. Heike Bischoff-Ferrari

Mit drei einfachen Maßnahmen könnte die Lebenserwartung erhöht und die Aktivität und Unabhängigkeit älterer Menschen verbessert werden. Dabei handelt es sich um die Einnahme von Vitamin D und von Omega-3-Fettsäuren sowie ein einfaches Fitness-Programm Wissenschaftler sind der Überzeugung, dass diese drei Maßnahmen Gehirn, Knochen, Muskeln und Herz stärken. Das soll jetzt auf Herz und Nieren geprüft werden. Untersucht werden soll die Wirkung jeder der drei Maßnahmen, für sich genommen und zusammen mit den anderen. Dabei werden Tests angewendet, die denen für die Wirkung von Arzneimitteln ähnlich sind. 

„Wir wollen feststellen, welche Vorteile sich für das Gehirn und andere wichtige Organe durch die Einnahme von Vitamin D, durch die Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren und durch ein einfaches Fitness-Programm ergeben, sowohl einzeln, als auch in Kombination“, erklärt Prof. Heike Bischoff-Ferrari, Koordinatorin der Studie DO-HEALTH mit mehr als 2.000 Männer und Frauen ab dem 70. Lebensjahr. Personen aus Zürich, Basel, Genf, Toulouse, Innsbruck, Coimbra und Berlin werden an dieser Studie teilnehmen und zu Beginn einen ganzen Tag damit verbringen, von Kopf bis Fuß untersucht zu werden. Diese Untersuchungen werden nach 12, 24 und 36 Monaten wiederholt. 

Die Studie soll zeigen, welche Wirkung diese drei Maßnahmen auf die Patienten haben. Gleichzeitig werden aber auch wertvolle Informationen über die Gesundheit von älteren Menschen gesammelt. „In den letzten 20 bis 30 Jahren wurden ältere Menschen systematisch aus klinischen Studien ausgeschlossen“, erklärt Prof. Bischoff-Ferrari, Professor für die Prävention chronischer Erkrankungen im Alter an der Universität Zürich. „Gleichzeitig machen sie einen immer größeren Anteil unserer Bevölkerung aus.“ Während der Studie sollen deswegen u. a. auch Referenzwerte für übliche Laboruntersuchungen erfasst werden.

Ein viel wichtigeres Ergebnis ist jedoch der endgültige Nachweis, welche dieser drei Maßnahmen, einzeln oder zusammen, den kognitiven Verfall beim Menschen verlangsamen. Ernst zu nehmende Hinweise auf ihre vorteilhafte Wirkung liegen bereits vor, diese stammen jedoch aus Beobachtungsstudien, die für die Wissenschaft von geringerer Überzeugungskraft sind. Prof. Bischoff-Ferrari erklärt dies so: „Bei Patienten mit Lungenkrebs kann beobachtet werden, dass der Mittelfinger gelb verfärbt ist. Aber natürlich ist nicht der gelbe Finger die Ursache der Erkrankung, sondern das Rauchen.“ Ursache und Wirkung können nur in einer randomisierten, kontrollierten Studie gefunden werden. In einer solchen Studie erhalten die Teilnehmer entweder einen Wirkstoff oder ein Placebo. Weder sie noch die Wissenschaftler, die sie beurteilen, wissen aber, wer was erhalten hat.

„Vitamin D kann die exekutiven Funktionen, d. h. die Fähigkeiten, die unser Denken und Handeln steuern, beeinflussen. Die Datengrundlage hierfür ist jedoch begrenzt“, fährt Prof. Bischoff-Ferrari fort. Ihr Interesse wurde geweckt, als sie erkannte, wie früh der kognitive Verfall nachgewiesen werden kann, wenn man eine Person bittet, zwei Aufgaben gleichzeitig durchzuführen. „Wenn eine Person mit verhältnismäßig guten kognitiven Ergebnissen gebeten wird, zwei Dinge gleichzeitig zu tun, werden dabei deutlich schlechtere Ergebnisse erzielt.“ Prof. Bischoff-Ferrari und ihre Kollegen bei dem Projekt DO-HEALTH hoffen, die notwendigen Nachweise mit solchen Tests zu erbringen, die die Studienteilnehmer über einen längeren Zeitraum und unter dem Einfluss verschiedener Maßnahmen absolvieren. 

„Wir hoffen, unwiderlegbare Beweise für eine Wirkung, d. h. einen wirklichen Nutzen, von Vitamin E und Omega-3-Fettsäuren in bestimmten Konzentrationen (bei einem großen Teil der Bevölkerung) zu finden“, erläutert sie. Durch den Vergleich verschiedener Gruppen, die eine, zwei oder drei dieser Maßnahmen durchführen, können die Wissenschaftler Empfehlungen für die Gesundheitspolitik aussprechen. Außerdem wird eine Kosten-Nutzen-Analyse durchgeführt, um die Wirtschaftlichkeit der verschiedenen Schritte zu beurteilen. Nur so können Gesundheitspolitiker überzeugt werden, aber auch Krankenkassen, die die Kosten übernehmen müssen, wenn die Förderung der Gesundheit nachweisbar wäre.

DO-HEALTH wird von der Europäischen Kommission im Rahmen des 7. Forschungsrahmenprogramms finanziert. Prof. Bischoff-Ferrari ist Fachärztin für Geriatrie und öffentliches Gesundheitswesen und ein international anerkannter Experte für Vitamin D. Der Schwerpunkt ihrer Forschungsarbeit liegt auf der Verlängerung eines gesunden Lebens älterer Menschen.

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