Rede mit

5 Minuten mit Prof. Fiona Newell

Professor Fiona Newell Professor Fiona Newell

Prof. Fiona Newell arbeitet an der School of Psychology and Institute of Neuroscience am Trinity College in Dublin, Irland.  Ihr Forschungsbereich sind Sinneswahrnehmungen, insbesondere Sehen, Tasten und Hören.  Sie beschäftigt sich aber auch mit der Verarbeitung von multisensorischen Wahrnehmungen im jungen und alternden Gehirn.

Was führte Sie zur Hirnforschung?

Ich studierte zunächst experimentelle Psychologie. Danach verbrachte ich viele Jahre in Labors damit, menschliche Wahrnehmungen zu messen. Dabei untersuchte ich, wie der Mensch Gegenstände oder Gesichter wiedererkennt, wie er sich an Gegenstände in einem Zimmer erinnert und wie er zu unterschiedlichen Zeiten in seinem Leben sensorische Wahrnehmungen verarbeitet. Ich arbeitete auch mit Kollegen zusammen, die versuchten festzustellen, wie Säuglinge ihre Sinne entwickeln. In letzter Zeit interessiere ich mich mehr dafür, wie das Gehirn älterer Menschen mit Sinneseindrücken umgeht.

Sind Videospiele wirklich gut für das Gehirn?

Der Zeitpunkt, seriöse Spiele für Erwachsene vorzustellen, ist nicht schlecht gewählt. Videospiele haben in den letzten Jahren viel Kritik einstecken müssen, zu viele Spiele mussten auch wieder vom Markt genommen werden, weil sie ihre Versprechung, die geistigen Fähigkeiten zu verbessern, nicht einhielten. Deswegen wollen wir wissenschaftlich nachweisen, dass speziell entworfene Spiele eine positive Wirkung zeigen. In unserem letzten Projekt (VERVE) verwendeten wir verschiedene Verhaltenstests und ein Bildgebungsverfahren, das als Neuroimaging bekannt ist, um zu untersuchen, ob die räumliche Orientierung eines Menschen und dessen allgemeine kognitive Leistung mit einem Spiel verbessert werden können.

Welche Verfallserscheinungen treten in einem alternden Gehirn auf?

Unsere Studien konnten zeigen, wie gut oder schlecht das Gehirn auf Hör-und Seheindrücke reagiert. In dem Gehirn von jungen Menschen treten Reaktionen sehr schnell auf, mit zunehmendem Alter verzögern sich die Reaktionen nicht nur, die Signale sind auch weniger deutlich. Das verwirrt aber nur die wenigsten älteren Menschen. Mit anderen Worten kann das Gehirn normale Alterungserscheinungen ausgleichen. Wir wollen herausfinden, wie dies funktioniert. Das wäre ein sehr wichtiger Schritt vorwärts. Wir sind der Auffassung, dass Wahrnehmungen die Grundlage für anspruchsvollere kognitive Fähigkeiten bilden. 

Welcher Weg führte Sie von der Psychologie und der Hirnforschung zu Videospielen?

Eine Freundin und Kollegin von mir, Prof. Carol O’Sullivan, arbeitet mit Computergrafiken. Wir beide interessieren uns für menschliche Wahrnehmungen, jedoch mit sehr unterschiedlichen Ansätzen. Für sie ist es wichtig, Avatare und virtuelle Umgebungen zu schaffen, die so realistisch wie möglich wirken. Gemeinsam haben wir kürzlich als Hilfsmittel eine virtuelle Welt entwickelt, in der sich Menschen mit Sturzrisiko bewegen können. Wir hoffen, diese Welt mithilfe des grafischen Designs verbessern und Objekte und realistische Menschenmengen einführen zu können, um das Spiel noch wirklichkeitsgetreuer und attraktiver zu machen. 

Wie können sich Betroffene selbst helfen, bis das Spiel auf dem Markt ist?

Mit unserem Spiel City Quest versuchen wir, das Selbstvertrauen von Betroffenen zu stärken, sodass sie sich wieder mehr bewegen, am besten an der frischen Luft. Man darf nicht vergessen, dass sich fehlende Bewegung nachteilig auf zahlreiche Fähigkeiten auswirkt, da das Gehirn damit auch verlernt, sich Orte zu merken und sich in Umgebungen zurechtzufinden. Das Schöne an unserem Spiel ist, dass es im eigenen Wohnzimmer gespielt werden kann. Derselbe Effekt würde aber auch mit einem Spaziergang erreicht werden. 

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