Rede mit

Fünf Minuten mit … Prof. Tobias Hartmann, Professor für experimentelle Neurologie an der Universität des Saarlandes

Prof. Tobias Hartmann Prof. Tobias Hartmann, Professor für experimentelle Neurologie an der Universität des Saarlandes

Was führte Sie zur Hirnforschung?

In meiner Forschung geht es darum, wie Fette eingesetzt werden können, um die Hirngesundheit zu fördern. Ich bin Koordinator des Projekts LipiDiDiet, in dem wir Personen, die mit großer Wahrscheinlichkeit in den nächsten beiden Jahren Demenz entwickeln werden, auffordern, ein Nahrungsergänzungsmittel zu nehmen, das auch DHA enthält. Wir wollen ermitteln, ob damit das Einsetzen der Symptome der Demenz verzögert werden kann. 

Ich begann mich für Fette im Zusammenhang mit dem Gehirn zu interessieren, als ich nach Substanzen suchte, die die Bildung von Beta-Amyloid fördern oder verringern, einem Proteinfragment, das sich in übermäßigen Mengen im Gehirn von Alzheimer-Patienten ablagert. Fette spielen hierbei eine wichtige Rolle, weshalb ich begann, mich für die Erforschung dieser Fette zu interessieren. 

 

Haben Sie Ihren eigenen Lebensstil aufgrund der Forschungsergebnisse zur Hirngesundheit geändert?

Ich habe auf jeden Fall meine Ernährung umgestellt. Ich esse etwa fünf Mal die Woche Fisch – sei es eine vollständige Fischmahlzeit oder auch ein Thunfisch-Sandwich. Und ich passe auf die Zusammensetzung der Fette in meiner Ernährung auf. Das ist sehr wichtig. Ich achte auf ungesättigte Fette und vermeide gesättigte und Transfettsäuren. 

Außerdem bewege ich mich auch mehr. Da Sport mir keinen besonderen Spaß macht, bin ich so viel wie möglich in meinem Garten aktiv. Das Ziel ist, mehrmals die Woche richtig ins Schwitzen zu kommen. 

 

Welche Änderungen in der Alzheimer-Forschung haben Sie in den vergangenen Jahren beobachtet?

Wir haben in der Alzheimer-Forschung vor allem gelernt, wie wichtig eine frühzeitige Intervention ist. Wenn die Gehirnzellen erst einmal verloren sind, ist es äußerst schwierig, sie zu ersetzen. Das gilt auch für viele andere neurodegenerative Erkrankungen. 

Ich denke, wir haben daher erkannt, dass viele klinische Alzheimer-Studien keinen Erfolg haben konnten. Patienten wurden im letzten Stadium der Krankheit behandelt, als ihr Gehirn bereits in dramatischem Maße geschädigt war. Es war also bereits zu spät, um nach einer Behandlungsmöglichkeit zu suchen oder den Fortschritt der Krankheit zu verzögern. 

Ich hoffe sehr, dass wir in der Zukunft Behandlungsoptionen zu einem früheren Zeitpunkt testen können, wenn noch realistische Chancen auf eine positive Wirkung bestehen. 

 

Wenn Sie eine bestimmte Sache in den nächsten fünf Jahren ändern bzw. bewirken könnten, was würde das sein?

Ich würde mir wünschen, dass unsere klinische Studie zeigt, dass es möglich ist, Demenz durch die Einnahme bestimmter Nahrungsergänzungsmittel mit „guten“ Fetten zu verzögern, und diese Mittel sollten als ganz normale Produkte erhältlich sein. 

Generell würde ich mir mehr frühzeitige Diagnosen und Unterstützung für Menschen mit Demenz wünschen. Wir besitzen heute die technologischen Möglichkeiten für eine frühzeitige Diagnose. Wenn wir diese jedoch nicht nutzen, berauben wir die Menschen um die Chance, zu einem frühen Zeitpunkt zu intervenieren.

Wenn wir einer Person erst einmal die Diagnose gestellt haben, müssen wir sie angemessen unterstützen, doch es gibt einen großen Mangel an Maßnahmen für die frühen Stadien. Wir brauchen nicht für alles Medikamente oder teure Therapien – vieles kann durch Gespräche oder eine Änderung des Lebensstils erreicht werden. Wenn Sie dies aber nicht wissen und niemanden haben, mit dem Sie sprechen können, werden diese Möglichkeiten auch nicht ausgeschöpft.

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