Rede mit

TV für Fitness und Gehirn

Gerdine Douma, Forscherin an der Freien Universität Amsterdam Gerdine Douma, Forscherin an der Freien Universität Amsterdam

Ältere Menschen, die in Pflegeheimen nahe Amsterdam leben, sehen im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie fern.  Sie beobachten Menschen, die durch einen Park, eine Stadt oder einen Zoo gehen. 

Die Hoffnung ist, dass die alten Menschen durch das Ansehen dieser Videos selbst aktiver werden und ihre Bewegungsqualität sich verbessert.  Das soll durch eine bestimmte Klasse von Gehirnzellen angeregt werden, die sogenannten Spiegelneuronen.

Wissenschaftler wissen heute, dass, wenn wir eine andere Person bei einer bestimmten Bewegung beobachten, unsere eigenen Gehirnzellen, die an der Durchführung der betreffenden Bewegung normalerweise beteiligt sind, aktiviert werden.  Es ist, als würde unser Gehirn die beobachtete Aktion „spiegeln“. Das Projekt mit dem Namen AAL-ALFA möchte solche Spiegelneuronen nutzen, um Demenzpatienten zu helfen. 

Die älteren Menschen, die an der neuen Studie teilnehmen, leiden alle an Demenz. Ihnen werden Fernsehgeräte in ihren Gemeinschaftsbereichen zur Verfügung gestellt, um entweder Naturszenen oder Menschen beim Spazierengehen zu zeigen.  Es wird davon ausgegangen, dass bei den Personen, die die Spaziergänger beobachten, die Spiegelneuronen aktiviert werden.  Das Ergebnis: Fernsehen kann dazu führen, dass Spiegelneuronen aktiver werden.  Was als nächstes geschieht, ist ein entscheidender Teil der Studie. 

Wissenschaftler in Holland werden die Spaziergangsvideos 3 Monate lang 5 Tage pro Woche abspielen. Sie werden messen, wie viel sich die einzelnen Personen in der Zeit bewegen und ob sich die Qualität ihrer Bewegungen – beispielsweise Geschwindigkeit und Länge der Schritte – verbessert.   Außerdem werden sie Gedächtnis-, Aufmerksamkeits- und Entscheidungsfindungstests durchführen, um zu ermitteln, ob sich die kognitive Leistung verbessert bzw. die Rate des kognitiven Verfalls verlangsamt hat.  Die älteren Menschen werden vor, während und am Ende der Studie getestet, gefolgt von einem weiteren Test 6 Wochen nach Ende des 3-monatigen Zeitraums, in dem sie die Videos angesehen haben.

Die Prüfer erwarten nicht, dass die Demenzpatienten plötzlich ein außergewöhnlich hohes Aktivitätsniveau erreichen. „Wir sehen uns die Funktionen an, die gewöhnlich im Alterungsprozess und bei Demenz nachlassen. Wir hoffen zumindest auf eine Verlangsamung dieses Rückgangs. Das würde zeigen, dass die Maßnahme echte Vorteile bringt“, sagt Projektforscherin Gerdine Douma der Freien Universität Amsterdam in Holland.   

Sie ist auch an einer zweiten Phase der Studie beteiligt.  Während der Mahlzeiten der Heimbewohner werden Tablet-Computer auf die Tische platziert, die zeigen, wie Personen ihr Essen kauen.  Die älteren Menschen können selbst entscheiden, ob sie die Videos ansehen wollen. Auch hier ist die Hoffnung, dass die Videos die Spiegelneuronen dazu anregen, zu feuern, und somit zu einer allmählichen Verbesserung der Kaufähigkeit der älteren Menschen führen.  Kauen mit einer ausreichenden Intensität steigert den Blutfluss im Gehirn, und es wird davon ausgegangen, dass dies einen positiven Einfluss auf die geistige Leistungsfähigkeit hat. 

Douma sieht einen riesigen Vorteil der Kau- und Spaziergangsvideos: Wenn das Ansehen der Videos das Leben der älteren Menschen verbessert und einen Beitrag zu ihrer Unabhängigkeit leistet, dann könnte diese Maßnahme in Pflegeheimen problemlos auf breiter Ebene eingeführt werden.  Alle, was dazu nötig ist, sind Tablets und Fernsehgeräte. Außerdem ist die Maßnahme nicht intrusiv. Es ist kein Ton zu hören und die Personen können selbst entscheiden, ob sie die Videos ansehen wollen oder nicht. 

„Wenn diese Maßnahme die von uns erwartete bzw. erhoffte Wirkung hat, dann könnte sie einfach in Pflegeheimen implementiert werden.  Und wenn sie von den Menschen angenommen wird, dann können wir auch Verbesserungen vornehmen, sodass ihnen die Videos noch besser gefallen“, sagt Douma.  Spiegelneuronen wurden erst in den 1990ern entdeckt. 

Klicken Sie hier, um ein Interview mit einem der Entdecker der Spiegelneuronen zu lesen.

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