Früher ging man davon aus, dass die Synapsen im Gehirn unveränderlich sind. Heute wissen wir, dass die Verbindungen im Gehirn im Laufe eines Lebens immer neu geknüpft werden können. Dieses Phänomen wird als neuronale Plastizität oder Neuroplastizität bezeichnet.
Das Gehirn ist ein bisschen wie Modellierwachs, es lässt sich, wenn mit einer Herausforderung konfrontiert, sozusagen verformen, d. h., es kann anders verschaltet werden. Wenn Sie also geistig agil bleiben, können Sie Ihr Gehirn fit halten.
Jedes Mal, wenn Sie etwas Neues lernen, sei es eine Information oder eine Fertigkeit, verändert sich Ihr Gehirn. Diese Fähigkeit, sich während des gesamten Lebens an neue Situationen anzupassen, wird auch als Plastizität bezeichnet.
Noch vor nicht allzu langer Zeit waren Wissenschaftler davon überzeugt, dass die neuronalen Schaltungen genauso unveränderlich waren wie die Schaltungen auf einer Leiterplatine oder in einem Computerchip. Das bedeutete auch, dass eine Schädigung dieser Schaltungen aufgrund einer Krankheit oder Verletzung irreparabel war. Das Gehirn ist jedoch deutlich flexibler, als damals angenommen.
Jeden Tag entstehen neue Zellen, andere schaffen neue Verbindungen zu benachbarten Zellen. Das Gehirn lässt sich mit einem farbenfrohen, bilderreichen Teppich vergleichen, dessen Muster mit allem, was Sie sehen, tun und lernen, täglich anders weitergeknüpft wird. Ein verletztes Gehirn kann auf ein solches „Loch“ reagieren, indem es dieses einfach wieder mit neuen Knoten verschließt. Dieses Bild eines flexiblen Gehirns, das sich dabei herauskristallisiert, bietet Hoffnung, denn wir wissen heute, dass das Gehirn – wie Muskeln – durch Übungen trainiert werden kann und so besser auf die Herausforderungen, die das Leben bietet, vorbereitet ist.